Verfasst von: soniato85 Am: Januar 7, 2010
Ich bin eine Feministin und war es wohl immer. Oft genug wurde ich deswegen angesprochen und noch öfter ergaben sich Missverständnisse. Ich möchte glauben, dass diese aus Zeitmangel entstanden sind – in dem Sinne, dass ich keine Zeit hatte, meine Ideen auszuführen. Diesen Mangel möchte ich heute beseitigen.
Die feministische Debatte beginnt meist mit einem Argument der Art, dass Frauen beispielsweise in technischen Berufen unterrepräsentiert sind. Was sagt uns das? Meiner Meinung nach recht wenig – vor allem wenn es das einzige Argument in diesem Kontext ist. Natürlich sollten alle wissen, was man den frühen Vertreterinnen der Frauenbewegung zu verdanken hat und dies auch entsprechend würdigen. Dennoch, die Angleichung des Frauen- und Männeranteils in allen Bereichen zu erzwingen ist gleichwertig mit dem Postulat, dass es nur ein einziges Lebensmodell gibt, nur einen Weg, glücklich zu sein. Dies mag für einige, vielleicht sogar für viele Frauen und Männer zutreffen. Und ich möchte auch nicht behaupten, dass diese blind einem Modell folgen, mit dem sie sich eigentlich nicht identifizieren. Doch wenn dies nicht eintrifft, so muss der Grund nicht unbedingt Diskriminierung sein.
Oft vermutet man, dass der Wohlstand eines Landes für die Emanzipation der Frauen relevant ist (wenn nicht gar ausschlaggebend). Dies kann man in der Tat am Beispiel vieler Länder beobachten. Doch sogenannte reiche Länder zeigen uns auch etwas anderes. Da ergreifen viele Frauen bewusst nach wie vor sehr soziale Berufe, obwohl ihnen sozusagen die ganze Welt offen steht. Vielleicht schafft aber gerade dieser Wohlstand die Voraussetzung und die Freiheit dazu, den eigenen Weg zu gehen, im gewünschten Beruf aufzugehen und die ganz persönlichen Stärken auszuleben. Und vielleicht bedeutet Emanzipation etwas anderes. Dies ist zumindest das, was ich glaube.
Frauen sind keine ethnischen, politischen, kulturellen oder sexuellen Minderheiten und es gibt keinen Grund, derart zu agieren, Minderheitenrechte zu fordern, Vergleiche zu anderen Minderheiten aufzustellen oder dergleichen. Abgesehen davon, dass dies schlicht falsch ist, ist es, denke ich, auch kontraproduktiv und führt nur zur Entkräftung der Argumente und der Position der Frauen. Dies sollte kein Kampf für Egalitarismus sein, sondern für Entscheidungsfreiheit und Chancengleichheit. Ein Kampf dafür, dass sich Frauen stets bilden und informieren können. Ich glaube es heißt Folgendes: Wenn frau sich mit gängigen Ambitionen identifiziert – gut, go for it und unterstützen wir diese Frauen so gut wir können. Wenn dem jedoch nicht so ist, so ist das, so lange das eine bewusste Entscheidung ist, kein Weltuntergang und eigentlich um nichts schlimmer, denn jeder Beruf hat auch seine Nachteile, die nicht von allen gleich gewichtet werden. Es heißt nur, dass man darum kämpfen muss, dass alternative Lebensmodelle auch gewürdigt werden und kein einziges für absolut gehalten oder als solches gefeiert wird.
1 | Christian - Alles Evolution
August 24, 2010 um 5:29 pm
Ich denke auch, dass es nichts bringt einfach nur die Unterschiede wahrzunehmen, für eine Unterdrückung muss man insbesondere untersuchen wodurch sie entstehen und da ist der Hinweis auf das “Patriarchat” alleine etwas dürftig. Denn wenn Frauen gerade in sozialen Berufen arbeiten wollen und dafür Gehaltseinbußen hinnehmen ist das ja zunächst auch ein Lebensentwurf, den man respektieren sollte, solang er nicht auf Zwang beruht.