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GLEICH UND GLEICH GESELLT SICH GERN

Verfasst von: soniato85 Am: Januar 12, 2010

In der Hoffnung, ein paar von Euch für meine alte und ewige Liebe, die Biologie, zu begeistern, möchte ich heute einen naturwissenschaftlichen Ansatz vorstellen. Da ich ja bezwecke, dass Euch dieser Eintrag im Gedächtnis bleibt, werde ich ein sehr kontroverses Thema wählen – und zwar die Homosexualität.

 

Ich werde zunächst kurz zwei der gängigen Theorien vorstellen, um dann mit der These zu enden, die mich persönlich überzeugt. Also los geht’s.

 

Verhaltenspsychologen meinen, dass Homosexualität im Jugendalter erlernt wird – beispielsweise durch Verführung oder andere Arten der Einübung homoerotischen Verhaltens. Doch Forscher wiesen in letzter Zeit nach, dass diese Erfahrungen in der Jugend nicht zwingend zur Homosexualität führen. Angesichts der Anzahl der mir bekannten Fälle von jugendlichen Mädchen, die das Küssen mit Geschlechtsgenossinnen erlernt haben und die jetzt völlig “normal” sind, wage ich auch, diese These stark zu bezweifeln.

 

Was sagen andere? Fast alle Psychologen und Psychiater, die einer der psychoanalytischen Schulen nahestehen, machen die sogenannten ödipalen Phänomene für das Entstehen der sexuellen Orientierung verantwortlich. Homosexualität sei primär eine in früher Kindheit erworbene Eigenschaft, die beispielsweise durch eine bestimmte elterliche Konstellation der Art “dominierende, überfürsorgliche Mutter – schwacher, unzureichender Vater” hervorgerufen werde. Nach der Lehre Freuds durchläuft jedes Kind vom zweiten Lebensjahr an die sogenannte ödipale Phase. Dabei verursachen das sexuelle Verlangen nach der Mutter und die dadurch entstehende hassvolle Eifersucht auf den Vater dem Jungen Furcht und Schuldgefühle, die er nur durch eine Art innerer Kapitulation zu überwinden vermag (Mädchen erleben ein ähnliches Schicksal mit umgekehrtem Vorzeichen, das man Elektra-Komplex nennt). Im Normalfall opfert der Junge seine unerfüllbaren Wünsche nach Sex mit der Mutter, akzeptiert die väterliche Autorität und identifiziert sich mit ihr. Wenn die Möglichkeit zu solcher Identifikation mit dem Vater fehlt, könnten sich Jungen nicht von der übermächtig gewordenen Mutter lösen. Doch auch diese These ist auf Grund von unzähligen Gegenbeispielen recht umstritten. Auch dieser Kritik kann ich nur zustimmen. Freud denkt und sagt zwar “Alles ist Sex”. Doch nach Freud kam ein Einstein und sagte “Alles ist relativ”.

 

Und nun zum krönenden Schluss: Nach der Theorie der Endokrinologen bestimmt der Hormonspiegel im Mutterleib schon während der Entwicklung des Fötus Triebrichtung und Triebstärke des Menschen. Für die These, Homosexualität sei angeboren, spricht auch der Umstand, dass der Hang zum eigenen Geschlecht seit Menschengedenken in allen Völkern und Kulturen bekannt ist und dass der Anteil der Homosexuellen in menschlichen Populationen mit ungefähr fünf Prozent immer etwa gleich groß war. Beim Fötus steht das chromosomale Geschlecht fest, aber die Genitalien sind noch undifferenziert. Die Geschlechtsrolle, die Geschlechtsidentität und die sexuelle Orientierung sind auch noch nicht geprägt. All diese Merkmale sind im Gehirn angesiedelt. Das Gehirn ist, ähnlich den Geschlechtsorganen, zunächst auch geschlechtsindifferent angelegt. Es wird geschlechtstypisch durch Hormoneinflüsse während der Entwicklung des Fötus im Mutterleib differenziert. Man spricht hier von der Androgenisierung des Gehirns, denn in dieser Phase der Entwicklung haben ausschließlich die männlichen Hormone, die Androgene, eine Bedeutung. Androgene führen zu einer Maskulinisierung des Gehirns, das Fehlen von Androgenen zu einer Feminisierung. Dies ist ganz ähnlich bei der Entwicklung der Genitalien, auch hier bedeutet das Vorhandensein von Testosteron die Entwicklung in Richtung “männlich”, das Fehlen bedeutet eine Entwicklung in Richtung “weiblich”.

 

Im Einzelnen läuft das so: In der 9. – 18. Woche nach der Zeugung bilden die Jungen unter dem Einfluss des eigenen Testosterons männliche Geschlechtsorgane aus, das äußere Erscheinungsbild wird also männlich. Störungen in dieser Entwicklungsstufe führen zu Fehlbildungen der Geschlechtsorgane. Ab der 10. Woche nach der Zeugung bedarf es wiederum eines hochsensiblen Androgencocktails um dem nun männlichen äußeren Erscheinungsbild die entsprechende Psyche zu verpassen. Testosteron prägt nun die Entwicklung des fötalen Gehirns in Richtung “männlich”. Auch hier gibt es “Störungen”, die Ergebnisse sind dann: “Störungen” der sexuellen Identität (Transsexualität), der sexuellen Orientierung (Homosexualität) oder der Geschlechtsrolle. Es ist also ein Hormoncocktail, dessen Zusammensetzung über die weitere sexuelle Entwicklung des Fötus entscheidet, völlig unabhängig von der Entwicklung der Genitalien. Die Entwicklung des psychosozialen Geschlechts ist daher ein eigener Entwicklungsschritt. Bei homosexuellen Männern wurden tatsächlich Gehirnstrukturen ausfindig gemacht, die weitgehend denen heterosexueller Frauen entsprechen und bei homosexuellen Frauen Hirnstrukturen, die denen heterosexueller Männer ähneln. Auch wurde nachgewiesen, dass die pränatale Veränderung der Sexualhormonspiegel während der geschlechtsspezifischen Gehirndifferenzierung auch auf genetischen Polymorphismen, das heißt auf Sequenzvariabilitäten der DNA beruhen kann. Derartige Polymorphismen bewirken eine spezifische Individualentwicklung von uns allen.

 

Homosexualität ist somit eine natürliche Sexualvariante ohne Krankheitswert.

2 Antworten zu "GLEICH UND GLEICH GESELLT SICH GERN"

das ist ein intensiv geführter streit. aber kann man hier überhaupt eine entscheidung treffen? dann müsste man ja davon ausgehen, dass biologie irgendwie vorgegeben ist und nicht von wissenschaftlern und wissenschaftlerinnen gemacht wird, die schon in einer gesellschaft groß werden, in der es nur zwei geschlechter gibt und in der menschen meist heterosexuell seien… das was diese wissenschaftler und wissenschaftlerinnen denken, prägt doch auch die ergebnisse, die sie gewinnen können…

auch ich habe einen faible für biologie und habe mir daher gestern gleich ein gerade neu gekauftes buch reingezogen – dort wird für geschlecht (nicht für sexualität) herausgearbeitet, wie biologie immer wieder unterschiedlich zwei geschlechter gefunden hat – aber auch hätte anderes finden können. ich finde das buch hat einige gute anregeungen:
“Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive”
http://www.transcript-verlag.de/ts1329/ts1329.php

@macudo
Das Buch und die dortigen Theorien sind allerdings – auch wenn der Autor das gerne so behauptet – in der Biologie nicht sehr anerkannt. Er muss beispielsweise Teile der Evolutionstheorie, insbesondere sexuelle Selektion, ablehnen, um zu seinen Ergebnissen zu kommen.
Ich habe einige Diskussionen mit dem Autor geführt, die ich in “Das Ende des Sex revisited” zusammenfasse. Vielleicht ja als Gegenposition zum Buch ganz interessant.

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